Planung in öffentlichen Institutionen – Business Intelligence als pragmatischer Lösungsansatz in komplexen Entscheidungssituationen?

Verwaltungen sind keine Unternehmen. Wenn Führungskräfte in Verwaltungen aber „etwas unternehmen“, möchten sie oft von den Erfahrungen privater Unternehmen profitieren. Schauen Verwaltungen dann „über den eigenen Tellerrand“ und versuchen von Unternehmen etwas über den Einsatz von Business Intelligence-Lösungen zu lernen, sind sie mitunter überrascht, wie dürftig und input-orientiert auch in manchen Unternehmen Planungsprozesse strukturiert sind.

Das bedeutet aber nicht, dass es über diesen ersten Eindruck hinaus keine besseren Wege, Methoden und Lösungen zur Implementierung strategischer Planungen gäbe, die Effektivität und Effizienz im Öffentlichen Raum verbessern.

Der Vorgang der Planung ist im Public Sector rechtlich und organisatorisch stark standardisiert und wird in festen Zyklen wiederholt. Das Hauptplanungsinstrument der Planung ist dabei der „Haushalt“, ein eher input-orientiertes Finanzplanungsinstrument. Das Haushalts- und Rechnungswesen dient dann einer tendenziell finanzgetriebenen Planung und Kontrolle des Verwaltungshandelns und seiner Folgen.

Geht man dennoch einmal von der Annahme aus, dass der Planungsbegriff der Öffentlichen Hand mit dem Planungsbegriff der Wirtschaft weitgehend übereinstimmt, so leistet sie insbesondere Folgendes:

Planung trägt zum Erkennen und Strukturieren von Problemen der Gesamtverwaltung sowie der unterschiedlichen Produktbereiche bei, zwingt zu wirtschaftlichem Denken und sachlichem Vorgehen, veranlasst, Erwartungen und Einstellungen zu bilden und zu überprüfen, gelegentlich sogar in Frage zu stellen, bewirkt, dass die damit befassten Mitarbeiter/-innen die Verwaltung nicht als Summe einzelner Zuständigkeiten, sondern als Ganzes sehen, führt zu einer Identifizierung von Mitarbeiter/-innen mit der Verwaltung und wichtigen Handlungen, veranlasst zum Denken in Zeitabschnitten, zu längerfristigem Denken und zum Erkennen von Horizonten, trägt zu kreativem Denken, zum Entwickeln von Phantasie bei, fördert problemorientierte und problemlösungsorientierte Vorgehensweisen, hilft, Ziele zu entwickeln und zu variieren, bereitet wichtige Entscheidungen vor, bis zu solchen, welche die Existenz des gesamten Verantwortungsbereichs einer Verwaltung betreffen, motiviert Mitarbeiter/-innen, wichtige Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen, fördert Kommunikation in horizontaler und vertikaler Richtung, koordiniert Ziele und Maßnahmen einzelner Bereiche, zwingt zum Überdenken von Ad-hoc-Entscheidungen, ermöglicht Soll-Ist-Vergleiche und schafft damit Kontrollmöglichkeiten und zwingt generell zu schnellem Reagieren auf neue Situationen.

Eine Beschränkung der Planung auf lediglich einzelne Aspekte einer solch komplexen, aber auch chancenreichen Situation erhöht somit generell die Chance auf Misserfolg. Die Notwendigkeit von Transparenz und Wiederholbarkeit gemeinwohlverträglicher, damit aber keinesfalls willkürlicher Planungs- und Entscheidungsfindung, erfordert eine sachgerechte Einhaltung sinnvoller Regelkreise aus Elementen der Planung und Steuerung.

Dies ist also das Feld ganzheitlich strukturierter, wirksamer Business Intelligence-Lösungen gerade auch im Verantwortungsbereich der Öffentlichen Hand.

Jan-Erik Schmidt

Über Jan-Erik Schmidt

Dipl. Päd. Jan-Erik Schmidt arbeitet seit 1996 als Berater im Öffentlichen Sektor und arbeitet heute als Projekt- & Teamleiter bei einem softwareunabhängigen IT-Lösungsanbieter. Er konzipiert bzw. implementiert bundesweit IT-Lösungen zur Planung, Steuerung & Berichtswesen
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